Was für ein Sommer!

Rudi Carrells „wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ singt derzeit wahrscheinlich kein Mensch in Europa, eher schon „oben ohne“ von Reinhard Fendrich.

Frau in der Sommer Sonne

Hundstage

Ja, es ist heiß, so richtig heiß. Die sogenannten „Hundstage“ erleben wir derzeit und noch ist kein Ende in Sicht. Ich bin gerade aus einem wunderschönen Frankreichurlaub – Normandie und Bretagne – heimgekehrt und war heilfroh darüber, dass wir noch angenehme Temperaturen, so gegen Mitte/Ende 20° hatten. Da kann man gerade noch schöne alte Städte besichtigen (Rouen, Caen, Quimper, Vannes…) und auf geschichtsträchtigen Spuren wandeln. Außerdem geht am Meer immer ein angenehmer Wind und macht die Hitze erträglicher. Auch in diesen Breiten war seit 20 Jahren der schönste Sommer und es hat kein einziges Mal geregnet. Für uns Urlauber erfreulich, für die Landwirtschaft natürlich nicht. Auch bei den Feierlichkeiten zur Fußball-WM ging es „heiß“ her, aber das ist eine andere Geschichte. Auf jeden Fall war es ein einmaliges Erlebnis, mitten im Geschehen zu sein, wenn das Ferienland WM-Fußballsieger wird.

Österreich ist „heiß“

Doch zurück zu den Temperaturen jenseits der 30°, die uns nun auch in Österreich schon das Leben erschweren. Ich war dieser Tage in Gmunden – der schönen Stadt am Traunsee – und habe es selten so leer erlebt. Keine Menschen auf den Bänken vor dem See, ganz wenige Besucher im Café an der Esplanade, das sonst fast übergeht. Und nicht einmal viele Leute im gekühlten Einkaufscenter – dort wäre es zwar gut auszuhalten, aber der Weg im Auto dorthin schreckt wahrscheinlich schon fast alle ab. Wenn die Temperaturangabe des geparkten Autos schon 38° anzeigt…

Ich gebe es zu, sogar der Weg von meinem schattigen Liegeplatz unter Bäumen ins Schwimmbassin ist schon anstrengend, weil ich mich da in der Sonne bewegen muss. Auch ist das Wasser mit knapp 26° keine Abkühlung mehr. Sogar der Traunsee hat schon beachtliche 23°. Bekannte waren am Almsee, der ist mit 14° noch wirklich erfrischend. Welche Temperaturen die Gartenpools derzeit haben, will ich mir gar nicht mehr vorstellen.

Ein paar Hitze-Tipps

Also, wie gehen wir nun mit der Hitze um? Vor allem jene, die derzeit nicht am See liegen?

Trinken

Trinken, trinken und nochmals trinken! Auch wenn das frische Bier oder der Most noch so gut schmecken – Alkohol erst nach der Arbeitszeit und da auch nur in Maßen genießen! Das gute alte Leitungswasser, Mineralwasser, ungezuckerte kühle Tees oder Limonaden – daran soll man jetzt nicht sparen. Alkohol und Hitze sind ein teuflisches Gemisch, das die Aggressivität in manchen Menschen verstärkt, die sonst unter der Oberfläche dahinschlummert. Manchen Verkehrsteilnehmern steigt die Hitze wirklich zu Kopf, kann schon fast jeder bestätigen, der sich ans Steuer setzen muss. Die Ungeduld steigt, Gehupte, Gesten und unvernünftiges Fahren sind die Folgen, die dann zu bösen Unfällen führen können.

Duschen

Ab unter die Dusche – am liebsten schon nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen. Dabei ist das lauwarme Wasser besser als das kalte. Die Erfrischung dauert aber leider nur kurz an.

Öle

Ein wenig Linderung verschaffen Tücher mit Minzöl, Chinaöl, Franzbranntwein – immer ein paar Tropfen drauf und zwischendurch das Gesicht, Arme und Beine abreiben, das geht auch im Büro. Es gibt auch Erfrischungssprays, die zumindest kurzfristig für Kühlung sorgen.

Klimaanlagen

Klimaanlagen sind nicht jedermanns Sache. Selten sind sie richtig eingestellt. Es zieht und schon ist der Hals oder die Schulter dem kalten Luftzug ausgesetzt und nach einiger Zeit schmerzen diese Körperteile. Ideal ist es, wenn die Klimaanlagen schon vor Bürobeginn laufen und dann zurückgedreht werden. Ein ganz leichter Schal hilft bei Klimaanlagen im Bus oder Flugzeug, die sehr oft unterschätzt werden.

Ventilatoren

Standventilatoren bringen einige Kühlung, aber auch da darauf achten, dass man nicht im direkten Luftzug sitzt. Zur Seit stehen auch welche in meiner Wohnung, da es im 8. Stock richtig aufgeheizt ist.

Wärmeflasche mit umgekehrter Wirkung

Wärmeflasche – ein persönlicher Tipp; ich schätze sie sehr, wenn ich kalte Füße habe und sie ist gerngesehener Gast in meinem Bett. Jetzt habe ich einen Versuch gemacht, ob das auch in die Gegenrichtung funktioniert. Und ja, ich bin mit meinem Experiment zufrieden, Die Wärmeflasche mit kaltem Wasser gefüllt hat eine durchaus angenehme Funktion ergeben. Meine Füße/Beine vermittelten mir zumindest das Gefühl, etwas kühler und erfrischter zu sein.

Richtiges Lüften

Auf die richtige Lüftung achten. Ab ca. 25° sollen die Fenster geschlossen und verdunkelt werden Dadurch bleibt ein Quäntchen Hitze vor dem Haus/Wohnung. Am Morgen lüften und am Abend, bzw. ein offenes Fenster genießen, wenn es vom Lärm her erträglich ist.

Kleidung

Kleidung aus Baumwolle, Leinen oder Seide – am liebsten nackt, aber das wollen wir uns alle gegenseitig nicht zumuten. Vermeiden Sie Kunstfasern, diese verstärken das Schwitzen nur noch mehr. Zum Zudecken reicht jetzt der Überzug alleine, die Steppdecke oder gar die Daunendecke findet schon wieder ihren Einsatz, ganz bestimmt!

Sport

Sportliche Betätigungen im klimatisierten Fitnessstudio oder in den frühen Morgenstunden, am Tag ist es dafür einfach zu heiß, von den paar Schwimmtempi abgesehen. Ich empfinde derzeit auch die Abendstunden als noch zu warm, um mich großartig zu bewegen. Ein kleiner Spaziergang, eine Runde durch den Garten (falls man das mit dem Gießen nicht schon erledigt hat) oder durch den Wald, das ist zu empfehlen. Aber Joggen? Natürlich muss dies jeder für sich selbst entscheiden, ich will das niemanden ausreden.

Haustiere

Wenn der Hund schon nicht mehr raus will – daher auch die Bezeichnung Hundstage – und es sich lieber unter (oder auf) der Couch gemütlich macht, dann ist das auch für den Menschen nicht die falsche Entscheidung. Unsere vierbeinigen Freunde leiden auch. Geben Sie Ihnen genügend Wasser und schattige Plätze, lassen Sie Hunde auf keinen Fall im Auto. Selbstverständlich auch keine Kinder! Nicht einmal für nur wenige Minuten, es wird unerträglich heiß im Auto!

Wassergefahren

Kinder werden vom Wasser magisch angezogen. Achten Sie darauf, dass sie nie unbeaufsichtigt sind. Leider gibt es jährlich Todesfälle. Ertrinken gehört zu den häufigsten Todesarten und für Kleinkinder reichen wenige Zentimeter aus. Auch in einem gut besuchten Schwimmbad besteht Gefahr. Lassen Sie Ihr Kind, solange es nicht schwimmen kann, nicht ohne Schwingflügel herumlaufen. Räumen Sie die Einstiegshilfen bei aufgestellten Schwimmbecken (Leiter) weg und lassen Sie Ihre Kinder nicht alleine in den Garten zum Schwimmbad/Schwimmteich.

Springen

Der Sprung ins kühle Nass muss gut überlegt werden, besonders bei unbekannten Gewässern. Ist der Fluss/See an dieser Stelle auch tief genug? Befinden sich keine spitzen Steine, Felsen im Wasser? Und beim Sprung vom Sprungturm ist auf Disziplin zu achten. Kein Drängeln, Schubsen etc. und nur springen, wenn alle im Wasser befindlichen Menschen außer Reichweite sind. Und falls einem der Mut verlässt, dann lieber wieder die Leiter zurück, als voller Angst irgendwie zu springen. Ein Bauchfleck wäre noch das günstigere Ergebnis, es kann aber auch zu schlimmen Verletzungen führen – Knochenverletzungen durch falschen Aufprall zum Beispiel.

Alte Menschen

Alte Menschen vertragen die Hitze oft nicht besonders gut. Sie sind am besten im Haus aufgehoben, bzw. früh morgens oder erst gegen Abend ist es sinnvoll, wenn sie sich in den Garten setzen oder Luft schnappen gehen. Nur manchmal sind sie leider dement und wollen gerade zur ärgsten Hitze raus, dann hilft nur gutes Zureden, um sie davon zu überzeugen, dass Temperaturen jenseits der 30° nicht angenehm sind.

Urlaubsreise

Kaffeehaus Sonne

Beginnen Sie Ihre Urlaubsreise mit dem Auto früh genug – ein aufgeheiztes Auto ist kein guter Start, besonders nicht, wenn sich dann auch noch ein Stau abzeichnet. Wenn möglich fahren Sie gleich unter der Woche auf Urlaub und nicht an den berühmt-berüchtigten Stau-Wochenenden. Und nehmen Sie genügend Wasserflaschen und Proviant mit. Wer einmal im Stau gesteckt ist weiß, wie gut Wasser, Tomaten, Gurken, trockene Kekse schmecken. Nicht sinnvoll ist allzu Süßes, Schokolade und Salziges, das fördert nur den Durst und beschert Schmutzflecken im Auto.

Denke positiv

Positives Denken – freuen wir uns an den herrlichen Sommernächten, an denen man bis spät nachts draußen sitzen kann, beim Grillen mit Freunden. Das eine oder andere Glühwürmchen kommt zum Vorschein, Mitte August kann man Sternschnuppen zählen.

Die Vereine schreiben schwarze Zahlen bei ihren Sommerfesten, die nicht abgesagt werden müssen.

Die Schwimmbäder bleiben zwar weiterhin defizitär, aber die Bademeister haben was zu tun.

Die Touristen bevölkern Österreich, genießen die Badeseen und die Bergwelt. Die Hotellerie und Gastronomie kann sich freuen. Urlaub in Österreich wird wieder großgeschrieben, wenn es bei uns so warm ist, dann muss man nicht zwangsweise fortfahren.

Endlich kommen Spaghettiträger, kurze Hosen und Kleider zum Einsatz, die sonst oft ungetragen im Kasten bleiben. Beim Summer Sale wird ordentlich zugegriffen, weil man sich auf wärmere Zeiten einstellt.

Und, und, und… Ihnen fällt sicher selbst etwas ein, um diesen schönen Sommer zu loben. Genießen wir das Schöne daran, irgendwann wird es wieder heißen, ach so kalt, nass, ungemütlich – wie schön ist es doch im Sommer 2018 gewesen!

Was für ein Sommer!
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One Response

  1. Steffi 09/09/2018

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