Wenn Männer grillen, können Frauen chillen?

Grillen im SommerDie Grillsaison ist eröffnet

„Schatz, heute brauchst du überhaupt nicht zu kochen. Das Wetter bleibt schön und ich werfe den Griller an. Du kannst richtig schön relaxen.“

Wunschvorstellung

Na, klingt das nicht verlockend? Frau freut sich und überlegt schon, was sie unternehmen könnte bis zum wohlschmeckenden Essen, es würden ja ein paar Stunden Zeit bleiben. Vielleicht auf einen Kaffee mit der Freundin gehen? Sich ein richtiges Wohlfühl-Bad mit Gesichtsmaske gönnen? Endlich das spannende Buch lesen oder ein Nickerchen machen? Das wären doch wunderbare Ideen. Und anschließend entspannt und schon voller Vorfreude, was der liebe Mann denn auf den Griller gezaubert hat, zum Essen gehen.

Ist-Situation

Funktioniert es bei Ihnen so? Dann gehören Sie zu den glücklichen Damen, bei denen der Mann wirklich alles macht. Doch ich vermute, Sie werden mir zustimmen und sagen: „Ja, das wäre schon schön, wenn es so laufen würde. Aber…“

Was steckt nun hinter diesem ABER? Nun, meistens beginnt es schon beim Einkauf. Schließlich muss ja auch etwas auf dem Grill landen, sofern die Tiefkühltruhe nicht ohnedies das ganze Jahr über mit viel Fleisch gefüllt ist. Lässt man nun den Liebsten den Einkauf erledigen, dann kann es schon passieren, dass plötzlich ein halbes Schwein in der Küche landet oder Ripperl im Sonderangebot für eine ganze Fußballmannschaft. (Natürlich gibt es auch Ausnahmen und es wird noch die richtige Menge eingekauft.)
Und dann darf man natürlich nicht schimpfen, weil er so sparsam eingekauft hat, sondern muss sich überlegen, ob man alle verfügbaren Freunde einlädt, eine zweite Kühltruhe/Gefrierschrank doch sinnvoll wäre oder das Fleisch bei der Mutter/Schwiegermutter/Schwester/Freundin/Kollegin… vorerst portionsweise einfrieren kann bis zum weiteren Gebrauch.

Brauchen wir wirklich nur Fleisch?

Der Grillmeister hat meistens nur eines im Sinn: FLEISCH, viel Fleisch! Aber denkt er an die Beilagen? Zumindest Brot wird er doch essen wollen. Schwarzes zu den Bratwürstl, Weißes oder Fladenbrot zum Grillspieß. Beim Gemüse sind die Herren meisten zurückhaltend, doch ein bunter Salat ist dann doch willkommen. Und vielleicht auch die eine oder die andere Sauce. Und wer macht die Zuspeisen? Natürlich die Frauen, die können das doch besser, oder? Und schon stehen wir wieder in der Küche und schnipseln Zwiebeln klein, hacken Gewürze, schneiden Tomaten, Gurken und was auch immer, waschen den Salat, mixen die Saucen, backen womöglich das Brot noch selber, stellen Sauerkraut zu usw. Und die ganz eifrigen machen dann auch noch einen Kuchen oder eine Nachspeise, weil u.a. er doch auch so ein Süßer ist!

Wo ist denn nur die Grillkohle in?

Manchmal machen wir es auch gerne, aber nicht immer. Aber kaum sitzt Madame gemütlich im Liegesessel, kann es schon vorkommen, dass ein „Wo hast du wieder die Grillkohle versteckt“, ertönt. Die Betonung liegt auf wo hast du versteckt…. hat er nicht selber? Und schon erhebt sich die Frau des Hauses und hilft beim Suchen, vermutlich weiß sie auch, wo er die Grillkohle verstaut hat. Dumm ist es nur, wenn sich herausstellt, dass der Sack schon ziemlich leer ist.
War das nicht seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass genügend Grillkohle vorhanden ist? Wer darf sich dann ins Auto setzen und noch schnell neue Kohlen besorgen? Natürlich SIE, ER kümmert sich schließlich schon um das Feuer. Blöd, wenn kein Geschäft mehr offen hat. Dann darf Sie wieder bei allen anfragen, wer Grillkohle im Vorrat hätte!

Beim Einkauf auch gleich noch vorher schauen, ob genügend Bier und andere Getränke vorhanden sind, bzw. eingekühlt. Männer werden beim Grillen ordentlich durstig. Und natürlich auch beim Essen wird die eine oder andere Halbe den Durst löschen.

Es dürfen doch ruhig ein paar mehr sein

Und kennen Sie diese Situation? Da freut man sich auf ein gemütliches Grillen zu zweit, ganz entspannt, ohne Aufwand. Und dann ist man einen Sprung weg und wenn man wiederkommt heißt es dann so zwischen Tür und Angel: „Äh, du die Nachbarn kommen auch, die habe ich gerade gesehen und eingeladen!“

Halleluja! Soviel haben wir doch gar nicht vorbereitet. Die Sabine mag doch so gerne gegrillte Paprika und der Helmut mag weder Lamm noch Schwein; also nochmals rasch ins Auto und Paprika und Huhn geholt. Und dann noch dies und das… von wegen chillen und nichts tun müssen. Und wenn die unerwarteten Gäste kommen, dann soll doch auch der Tisch schöner gedeckt sein als sonst. Wo ist nun das gute Geschirr und die schönen Gläser? Ein paar Blumen?

Besondere Location

So eine Situation ist besonders toll, wenn der Grillplatz – wie derzeit noch bei uns – sich auf der Haus-Baustelle befindet, wo es Plastikgeschirr und Becher gibt, Papierservietten und ein Baustellenklo. Da kann man nicht im Nu alles wunderschön dekorieren oder so aus dem Nichts ein Essen für mehr Leute zaubern! Da möchte ich bitte schon rechtzeitig informiert werden, wenn aus zwei Leuten plötzlich vier oder sechs werden. Auch wenn jeder versteht, dass es mit einfachen Mitteln zugeht und ich mittlerweile schon Weltmeister im Improvisieren bin – bitte vorher um Info!

Erkennen Sie, worauf ich hinauswill? Der Grillmeister ist durchaus männlich und wird das Steak oder den Spieß perfekt servieren, doch das ganze Drumherum bleibt doch wieder an den Frauen hängen. Und deshalb bin ich gar nicht immer so erfreut, wenn er vorschlägt, ganz ungezwungen etwas zu grillen.

Frauen sind dankbar für Infos

Davon abgesehen, dass wir Frauen uns halt für jedermann schön machen, auch wenn es nur die Nachbarn sind, die uns eh in Shorts und Jogginghosen kennen. Männern ist das egal, die grillen auch mit nackten Bäuchen, wo es beim Griller doch schon eine Hitze hat. Und dann hören wir ihr dröhnendes Lachen, den einen oder anderen Witz oder Schwank aus ihrer Jugend, das Bier fließt in Strömen und wir gönnen ihnen ja ihren Spaß. Das Zurück in die Steinzeit, als die Männer noch für das Fleisch zuständig waren.

Feuer im Griller

Das Danach

Ach ja, wer räumt auf? Nach ein paar wohlverdienten Bieren, wo man(n) doch so viel geleistet und gearbeitet hat, darf Frau doch auch endlich einmal was tun. Leere Flaschen einsammeln, Geschirr abtragen und abwaschen, den Griller putzen, die Gartenmöbeln verstauen… und sich auf den nächste Chillgelegenheit freuen, wenn es wieder heißt: „Schatz, heute brauchst du gar nichts zu tun, weil ich den Griller anwerfe!“

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