Das Gedächtnis trainieren: Jogging fürs Gehirn

Erinnerungen sind ein zentraler Bestandteil unseres Gehirns. Was wir im Leben durchgemacht haben, all die schönen Momente, die einzigartigen Erlebnisse, die Menschen, die uns am Herzen lagen, werden im Gehirn abgespeichert. Doch auch im Alltag hilft das Erinnerungsvermögen weiter. Ein gut geschultes Gehirn ist beim Zocken bei Mr Green ebenso hilfreich wie im Job, wenn der Chef die Aufgaben nur mündlich und nicht schriftlich verteilt. Doch was können Menschen machen, um ihr Gedächtnis fit zu halten, möglichst bis ins hohe Alter?

Was ist Gehirnjogging eigentlich?

Die Forscher sind beim Thema Gehirnjogging alles andere als einig. Eine kleinere Randgruppe behauptete unlängst, dass Spiele fürs Gehirn überhaupt nicht effektiv und sogar nutzlos seien. Allerdings haben vielfältige Studien längst belegt, dass das Gehirn trainierbar ist und dass diverse Spiele, Quizze und Übungen wirklich einen Effekt haben.

Ein bisschen kann man sich Gehirnjogging also wie Sport vorstellen. Wer regelmäßig die Hantel zur Brust führt, baut Muskeln auf. Wer regelmäßig sein Hirn nutzt, baut neue Kapazitäten auf bzw. speichert die erlernten Dinge ab. Vor allem die kognitive Merkfähigkeit profitiert von regelmäßigem Gehirnjogging. Denn: Wer häufig Zahlen merken trainiert, wird sich auch im Job und Alltag mehr Zahlen merken können.

Was Fitness für das Gehirn nicht kann, ist den Intelligenzquotienten in die Höhe zu treiben. Wer zuvor nie Schach spielen konnte, wird nicht plötzlich zum Schachweltmeister. Darum geht es beim Gehirnjogging aber auch gar nicht, sondern darum, das Gehirn zu nähren und es zu nutzen! Ein interessanter Fakt, ebenfalls aus der Hirnforschung ist, dass das Gehirn durch Barfußlaufen wachsen kann. Warum also sollte Gehirnjogging nicht funktionieren? 

Gehirnjogging: Übungen fürs Gedächtnistraining

Es gibt verschiedene Arten, die Merkfähigkeit des Gehirns zu trainieren. Eine davon ist die Loci-Methode. Bei dieser Methode geht es darum, zu merkende Zahlen mit Bildern und Orten in Verbindung zu bringen. Der Grund liegt darin, dass sich Menschen Orte und Bilder einfach leichter behalten können.

Anleitung: Wenn Sie sich die Zahl 105 merken möchten, assoziieren Sie sie mit Bildern! Stellen Sie sich beispielsweise ihren Nachbarn vor, wie er seinen 105. Geburtstag feiert. Zeichnen Sie im Geist eine Torte, mit einer Kerze in Form dieser Zahlen. 1 – 0 – 5. Nun stellen Sie sich etwas Lustiges, einprägsames vor, wie Ihrem Nachbarn die Zahnprothese aus dem Mund fällt als er die Kerzen auspusten möchte. Das Bild können Sie immer wieder abrufen, denn es ist einprägsamer als die Zahlen allein.

Neue Namen merken durch Eselsbrücken

Die Eselsbrücke war schon in der Schulzeit ein wichtiges Element beim Lernen. Denken Sie nur einmal an die Planeten zurück. „M – V – E – M – J – S – U – N – P“ (Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten). Erinnern Sie sich an diesen Merksatz? Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun, Pluto – für jeden dieser Planeten steht der Anfangsbuchstabe eines Wortes im Merksatz. Ein weiteres Beispiel war: „Nie ohne Seife waschen“, für das Merken der Himmelsrichtungen Nord, Ost, Süd, West.

Solche Eselsbrücken können Sie in vielen Lebenslagen verwenden, beispielsweise auch dann, wenn Sie sich neue Namen merken müssen. Stellen Sie sich vor, Sie treten einen neuen Job an und Ihre neuen Kollegen stellen sich namentlich bei Ihnen vor. Der ein oder andere Name löst vielleicht von selbst eine Assoziation bei Ihnen aus, weil Sie andere Menschen kennen, die genauso heißen. Fremde Namen zu merken ist hingegen schwer.

Versuchen Sie einmal, jedem neuen Namen eine Tätigkeit zuzuordnen. Stellt sich Ihr Kollege als Ronald vor, denken Sie automatisch: „Ronald backt Pizza“. In Ihrem Gehirn entsteht ein Bild, der Name wird abgespeichert. Sie sehen den neuen Kollegen und denken gleich an den Pizzabäcker, dessen Namen Ronald Sie sich gemerkt haben. Die Übung können Sie aber auch mit Nachrichtensprechern, Politikern oder Schauspielern machen, deren Namen Ihnen nicht geläufig sind.

Kurzzeitgedächtnis setzt auf Multitasking

Multitasking ist für manchen Menschen ein echtes Horrorwort und es ist nicht einmal bestätigt, dass es Multitasking überhaupt gibt. Mehrere Dinge auf einmal erledigen? Das klingt nach Stress. Allerdings wird das Gehirn übermäßig leistungsfähig, wenn es gleich mehrere Aufgaben auf einmal hat. Besonders effektiv funktioniert kognitives Training daher, wenn Sie bereits mit einer anderen Aufgabe beschäftigt sind. Natürlich sollen Sie nun nicht während der Arbeit Kreuzworträtsel lösen, doch beim Sport dürfen Sie Ihr Gehirn schon ein wenig fördern.

Während Sie auf dem Spinning-Bike sitzen oder durch den Wald laufen, stellen Sie sich bei dieser Übung Matheaufgaben, die Sie lösen. Anfangs dürfen das ganz simple Aufgaben wie 48 + 1983 sein. Später können Sie ruhig auch schwere und komplexere Aufgaben integrieren, wie zum Beispiel 9 + 45 * 3 – 19. Wenn Sie den Trainingseffekt erhöhen möchten, geben Sie sich zum Lösen der Aufgaben eine bestimmte Zeitvorgabe.

Auch während des Alltags können Sie sich immer mal wieder auf zwei Dinge gleichzeitig konzentrieren. Hören Sie beim Kochen die Nachrichten, zählen Sie beim Zähneputzen die Fenster, die Ihr gesamtes Wohnhaus hat oder notieren Sie im Geiste alle wichtigen Ereignisse, die sich im Büro ereignet haben.

Hilfsmittel fürs Gehirnjogging

Die obigen Übungen sind darauf ausgelegt, dass sie jederzeit und ohne Hilfsmittel durchgeführt werden können. Doch längst hat auch die digitale Welt Wind davon bekommen, wie effektiv regelmäßiges Gehirntraining für die Merkfähigkeit sein kann. Sie finden in den App-Stores der Handyanbieter zahlreiche Apps, die fürs Gehirnjogging geeignet sind. Achten Sie darauf, dass die Übungen auf wissenschaftlicher Grundlage funktionieren und dass es sich nicht um eine einfache Spiel-App handelt.

Übrigens: Entgegen Großmutters Annahmen ist das Kreuzworträtsel kein probates Mittel, um das Gehirn zu trainieren. Hier entsteht nämlich viel zu schnell eine Routine. Die Kästchen werden nebenbei ausgefüllt, denn die Fragen und Aufgaben darin sind immer wieder die gleichen!

Deutlich effektiver ist Sudoku, das japanische Zahlenrätsel, bei dem immer wieder neu im Kopf geknobelt werden muss, welche Zahl in welche Reihe passt. Auch Wortfindungs-Rätsel, bei denen in einer großen Menge an Buchstaben Worte versteckt sind, haben einen höheren Effekt als klassische Kreuzworträtsel. Es geht hier aber mehr um optische Wahrnehmung als um Merkfähigkeit. Wenn Sie letztere schulen möchten, schreiben Sie sich 20 Haushaltsgegenstände auf einen Zettel, schauen sich diese eine Minute lang an und merken sie sich diese. Einen Tag später versuchen Sie dann alle 20 Gegenstände wieder zu Papier zu bringen.

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