ÖAPG - Österreichische Akademie für Präventivmedizin und Gesundheitskommunikation

Dimensionen und Ziele von Gesundheitskommunikation

Gesundheitskommunikation kann zu praktisch allen Aspekten des Gesundheitssystems einen wertvollen Beitrag leisten und stellt ein zentrales Element in der Verbesserung der persönlichen sowie der Volksgesundheit dar.

Da sich Gesundheit in einem Spannungsfeld zwischen Ökonomie, Politik, Ethik und Medizin bewegt, ist es die Aufgabe der Gesundheitskommunikation, zwischen unterschiedlichen Interessen und Zielen zu vermitteln (7).

Gesundheitspolitische Ziele

Die Politik möchte vor allem die langfristige Finanzierbarkeit („Sustainability“) des Gesundheitssystems gewährleisten, durch

  • Die Steigerung der Effizienz und Effektivität sowie der Qualität der medizinischen Versorgung.
  • Die Optimierung der Organisation des Gesundheitswesens durch Kommunikation und Vernetzung (z.B. der einzelnen Fachdisziplinen und Sektoren).
  • Die Implementierung von Präventionsmaßnahmen als integraler Bestandteil der Gesundheitspolitik.

Gesundheitsökonomische Ziele

Die Gesundheitsversorgung ist vielerorts unwirtschaftlich und nicht zeitgemäß, weshalb Maßnahmen in diesem Bereich darauf abzielen, die Wirtschaftlichkeit des Gesamtsystems zu verbessern.

  • Verstärkte Patientenorientierung.
  • Erhöhung der Markt- und Wettbewerbsfähigkeit (z.B. durch die Einführung betriebswirtschaftlicher Prinzipien: Kosten-Nutzen-Denken, Angebot und Nachfrage).
  • Reduzierung der Kosten (z.B. durch eine sinnvolle Zuweisung der knappen ökonomischen Ressourcen [Allokation] und bedarfsgerechte Versorgungsstrukturen).

Soziale und Medizinische Ziele

Zielgruppenspezifische Informationsaufbereitung und Transparenz, Beratung und Aufklärung
in der klinischen bzw. in der öffentlichen Kommunikation (Arzt-Patienten-Kommunikation, Gesundheitskampagnen, Gesundheitsjournalismus) sollen die besten Ergebnisse im Sinne des Menschen und seiner persönlichen Gesundheit erreichen und die hohe Versorgungsqualität aufrechterhalten.

Konkret geht es um

  • Prävention und Gesundheitsförderung.
  • Verwirklichung der medizinischen Ethik („Medizinischer Eid“) durch die Garantie auf 
    Chancengleichheit und dem demokratischen Zugang zu medizinischen Versorgungsstrukturen („Accessability“).
  • Optimierung der gesundheitlichen Ergebnisse durch schnellere und genauere Diagnosestellungen, partizipative Therapieentscheidungen („Shared Decision Making“), bessere Kooperation zwischen Arzt und Patient („Compliance“), bessere Krankheitsbewältigung („Coping“).
  • Patience Empowerment“ durch Information und Aufklärung. Der Patient gewinnt mehr Autonomie und Selbstbestimmung in seinem persönlichen Gesundheits- bzw. Krankheitsmanagement und kann individuelle Ressourcen aktiv wahrnehmen und nutzen. Er trägt aber gleichzeitig auch eine höhere Eigenverantwortung für seine Gesundheit.


7ROSKI, Reinhold (2009): Akteure, Ziele und Stakeholder im Gesundheitswesen – Business Marketing, Social Marketing und Zielgruppensegmentierung. In: Reinhold Roski (Hg.): Zielgruppengerechte Gesundheitskommunikation. Akteure – Audience Segmentation – Anwendungsfelder, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 4-8.