ÖAPG - Österreichische Akademie für Präventivmedizin und Gesundheitskommunikation

Akteure und Ebenen der Gesundheitskommunikation

Gesundheitsbezogene Kommunikation kann auf privater (Patienten, Ärzte) und öffentlicher (Politiker, Medien) Ebene betrieben werden, wobei man in Bezug auf das Gesundheitssystem zwischen systeminternen und systemexternen kommunikativen Aktivitäten differenzieren kann.

Die vier Ebenen der Gesundheitskommunikation (6):

Intrapersonale Ebene
Die intrapersonale Ebene beschreibt die kognitiven, psychischen und kommunikativen Prozesse, die sich innerhalb einer Person vollziehen und die die Grundlage für ihre Einstellungen und Wertmuster bilden. Z.B. Eine Person liest einen Bericht über die gesundheitsschädigenden Wirkungen des Nikotinkonsums und macht sich anschließend Gedanken über ihre eigene Gesundheit.

Interpersonale Ebene
Hier geht es um den wechselseitigen Austausch von gesundheitsrelevanten Informationen. Sie umfasst sowohl die klinische Kommunikation z.B. zwischen Arzt und Patient, aber auch die alltägliche zwischen verschiedenen Individuen oder Gruppen.
Das Individuum ist das primäre Ziel, wenn es darum geht, Verhaltensänderungen herbeizuführen. Kommunikation kann das Bewusstsein, das Wissen, die Einstellungen, die Selbstwirksamkeit und die Fähigkeiten, welche für Modifikationen des Gesundheitsverhaltens ausschlaggebend sind, beeinflussen. Die Maßnahmen auf allen weiteren Ebenen versuchen letzten Endes nichts anderes, als ebendiese individuellen Veränderungen zu beeinflussen und zu fördern.

Organisationsebene
Im Mittelpunkt steht das Kommunikationsmanagement der verschiedenen Organisationen innerhalb des Gesundheitswesens (Krankenhäuser, Praxisgemeinschaften, Selbsthilfegruppen,…) aber auch von systemfernen Organisationen, welche ein Interesse an Gesundheitsthemen haben. Diese können gesundheitliche Botschaften an ihre Mitglieder herantragen, die notwendige Unterstützung für individuelle Bemühungen bereitstellen aber auch (politische) Kurswechsel durchsetzen, die eine individuelle Veränderung erst möglich machen. Beispiele für diese Ebene sind etwa die interne Kommunikation (z.B. Mitarbeiterzeitschriften, Intranet) oder die Public Relations eines Krankenhauses.

Gesellschaftliche Ebene (Ebene der Massenkommunikation)
Die Gesellschaft als physische, ökonomische und kulturelle Lebensumwelt hat vielfältige Einflüsse auf das individuelle Verhalten, angefangen von sozialen Normen und Werten, der öffentlichen Meinung bis hin zu Gesetzen und Verordnungen. Um gesundheitsrelevante Inhalte an die breite Masse kommunizieren zu können, benötigt man moderne Massenmedien wie Fernsehen, Internet und Presse als Multiplikatoren. Zu den Kommunikationsmöglichkeiten gehören z.B. Gesundheitsberichterstattung, medial vermittelte Images von Gesundheit, medizinische Fachpublizistik, Gesundheitskampagnen und medizinische Informationssysteme (Gesundheitsportale).


Ausgehend von der Ebenenstruktur wird Gesundheitskommunikation in folgenden Kontexten und Settings relevant:

• Zuhause
• Schule
• Arbeitsplatz
• Umwelt, Lebensraum (Gemeinde, Stadt)
• Soziale Netzwerke
• Klinischer Bereich
• Pflege, Geriatrie


6Nachfolgend
Vgl. DOPPLER, Birgit (2010): Gesundheitskommunikation. Kommunikationskampagnen im Gesundheitsbereich am Beispiel des ‚Pilotprojekts Schulfrucht’, Diplomarbeit, Wien, S. 53.
Vgl. THOMAS, Richard K. (2006): Health Communication, New York: Springer, S. 3.